
Podiumsdiskussion
Diese und weitere Fragen tauchen auf, wenn man sich mit dem Thema Hochspannung beschäftigt. Jetzt, nachdem die Hochspannungsleitung über den Köpfen unserer Kinder durch lautstarkes Summen keinen Zweifel mehr aufkommen läßt, dass mehrere hunderttausend Volt für eine konkrete Strahlengefährdung der Kinder sorgen können, sollen Antworten auch für Ihre dringlichsten Fragen gefunden werden. Hierzu wurden kompetente Vertreter der Neckarwerke, der Stadt Nürtingen, des Schulamtes und der Fraktionen eingeladen. Außerdem stand ein Baubiologe mit seinen fundierten Kenntnissen zum Thema Rede und Antwort.
Auf Initiative des |
Über 150 Bürger waren der Einladung gefolgt - überwiegend selbst betroffen, weil sie unter oder in der Nähe der Leitungen wohnen oder weil ihre Kinder in die Roßdorfschule oder in den Kindergarten - beide "unter Hochspannung" - gehen (müssen).
| Die Teilnehmer |
Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion |
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| Von links nach rechts: • OB Bachofer,
• Reinmar Wipper, BV Roßdorf, • Dr. Haug, Physiker + Mediziner, • Herr Zeiss (Schulamt) |
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| Von links nach rechts: • Herr
Nauendorf (SPD), • Frau Bühler (Elternbeirat), • Herr Bässler, Diskussionsleiter |
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| Von links nach rechts: • Herr
Braunmüller (Bündnis90/Die Grünen), • Dr. Czernoch (CDU), • Prof. Dr. David, • Herr Speck, Neckarwerke |
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| Dr. Haug bei seinem Vortrag Bilder: Manfred Richey, Copyright: NBI Nürtingen |
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Die Podiumsdiskussion
- wir waren dabei
"Im Westen nichts Neues" - könnte man sagen. Warum also das Ganze? Wenn doch die Neckarwerke sich hinter Paragraphen und Gesetzen verstecken und so tun, als ob die Zeitrechnung in den 70er Jahren stehen geblieben wäre. Zwar gesteht man ein, daß man auch bei den Neckarwerken die Leitung gern aus den Wohngebieten und von Schule und Kindergarten weg hätte, aber...
Folgt man dieser Logik, so würde dies bedeuten, daß eine einmal - auch vor über 20 Jahren, und nach damilgem Recht - getroffene Entscheidung oder erteilte Genehmigung auf alle Zeiten zu bestehen hätte und Änderungen nicht mehr möglich seien. Die Neckarwerke sprechen davon, daß sie Planungssicherheit brauchen. Brauchen die betroffenen Bürger dies nicht ebenso? Brauchen diese betroffenen Bürger nicht auch die Sicherheit, daß, wenn sich neue Erkenntnisse ergeben, die immer deutlicher die Gefahren des durch diese Leitungen verursachten Elektrosmog aufzeigen, Vorsorge getroffen wird? Auch ohne spektakuläre Todesfälle in großer Menge , verursacht durch Langzeiteinwirkung und Spätfolgen durch Elektrosmog abzuwarten? Indem man auch ohne die Verabschiedung neuer, strengerer gesetzlicher Grenzwerte (die kommen werden!) bereits die Vorbereitungen beginnt und nicht auf dem Rücken der Menschen weiterhin nur und ausschließlich an die Gewinne und Dividenden für die Aktionäre denkt. Kann und muß man von solchen großen und mächtigen Unternehmen nicht ebenso wie von den gewählten Volksvertretern ein großen Maß an Fürsorgepflicht fordern? Heißt Fürsorge hier nicht auch Vorsorge? Im übrigen hat man in den 70er Jahren auch noch immer Asbest verbaut, welches heute mit immensem Aufwand wieder entfernt werden muß. Und wie war das noch mit dem Amalgam? Nachdem man den frühen Warnungen nicht geglaubt hat, mußte man dann doch zugeben, daß es den Menschen schadet. Und die Holzschutzmittel, und FCKW und Autoabgase... Nach der Logik der Neckarwerke hätte man keine Katalysatoren einführen müssen, weil ja schließlich die Fahrzeuge nach dem damals geltenden Recht gebaut wurden... Nichts, aber auch gar nichts darf Bestand haben, wenn es sich zeigt, daß es das wertvollste Gut der Menschen, die Gesundheit, mehr als nötig und zumutbar gefährdet wird. Herr Dr. Haug hat zu Beginn der Veranstaltung in seinem Vortrag Daten aus einer von ihm selbst durchgeführten Studie aufgezeigt, daß in Gebieten, wo viele Menschen unter oder in unmittelbarer Nähe von Hochspannungsleitungen wohnen (müssen) die Krebsrate (der Bewohner dieser Gebiete) mehr als 7 (sieben!) Prozent beträgt. Die Dunkelfälle sind hier noch gar nicht mitgerechnet. Untersuchungen haben ergeben, daß bereits bei Belastungen mit 300 .. 400 Nanotesla das Blutbild gestört werden kann mit der Folge, daß bei anhaltender Belastung Krebs bzw. Leukämie entstehen kann. Herr Speck von den Neckarwerken hat auf Nachfragen erklärt, daß Werte unter der Leitung Werte von 1,08 Mikrotesla = 1080 Nanotesla gemessen wurden. Also Werte, die deutlich über den zuvor genannten liegen. Wenn man die gesetzlichen Richtwerte nimmt, wären sogar 100 Mikrotesla = 100000 Nanotesla als Obergrenze noch zulässig. Diese Wahnsinnswerte müssen endlich weg! Wo in aller Welt bleiben hier unsere verantwortlichen
Volksvertreter? Heute werden in den USA die großen Zigarettenkonzerne zur Ader gelassen, weil sich gezeigt hat, daß Rauchen eben doch Krebs verursacht. Auch das hat man ja schließlich Jahrzehntelang vorher schon gewußt. Zudem war es hier die Entscheidung eines jeden Einzelnen, zu rauchen oder nicht, bzw. damit aufzuhören, nachdem bekannt wurde, daß man Krebs davon bekommen kann. Wir betroffenen Bürger können nicht so einfach wegziehen, nachdem sich nun immer deutlicher herausstellt, daß Elektrosmog von den Hochspannungsleitungen eben offensichtlich doch nicht so ungefährlich ist, wie man das von den Stromerzeugern immer noch gern darstellt. Man kann nur hoffen, daß es bald auch Schadenersatzforderungen gegen Stromerzeuger gibt, und Richter, die diesen Forderungen Recht geben. Im Übrigen kann es nur als blanker Hohn angesehen werden, wenn der von den Neckarwerken zur Podiumsdiskussion geladene Herr Professor David fragt: "Warum verlegt man denn nicht einfach die Schule anstelle der Stromleitungen?" Hier ist jeder weitere Kommentar wohl überflüssig... Die Neckarwerke täten sicher gut daran, sich einen neutralen und kompetenten Berater zu engagieren. Die Vorträge waren ebenso kontrovers, wie die Meinungen der Neckarwerke und ihres Beraters, Prof. Dr. med. David. Wobei die Meinungen und Aussagen dieser beiden im krassen Gegensatz zu allen anderen Vortragenden und Fragestellern standen. Positiv ist aufgefallen, daß Herr OB Bachofer sich ganz klar für eine Verlegung der Leitung ausgesprochen hat und ebenfalls die Meinung vertritt, daß man (die Neckarwerke) nicht immer nur die Mindestanforderungen der über 20 Jahre alten gesetzlichen Vorschriften bzw. Empfehlungen im Auge haben solle, sondern auch eine Vorsorgepflicht habe. Besonders, wenn, wie hier, neue Erkenntnisse vorliegen bzw. immer häufiger viele Anzeichen dafür sprechen, daß eine gesundheitliche Gefährdung durch die Leitungen nicht mehr auszuschließen sei. Wir freuen uns über diese klare Aussage und hoffen - ja, wir gehen davon aus - daß es sich nicht nur um ein Lippenbekenntnis handelt. Wir hoffen auf die Unterstützung durch Herrn OB Bachofer in der Angelegenheit "Trassenverlegung". So, wie sich auch Herrn Nauendorf (SPD) vehement dafür ausgesprochen hat, daß hier Vorbeugen besser sei als Heilen. Es fiel auch der Satz: "Wenn alle mit anpacken und den Deckel tragen, dann kann man damit den Brunnen abdecken, bevor ein Kind reinfällt" Zum Abschluß gab der Sprecher der NBI, Herr Dr. Gekle, bekannt, daß die NBI eine Umweltvertäglichkeitsvorstudie über die Ersatztrasse in Auftrag gegeben habe, die nun so gut wie fertig sei. Es fehle lediglich noch die Reinschrift. Der bereits bekannte Inhalt zeige, daß eine Trassenverlegung erhebliche Vorteile bringen würde und zu empfehlen sei. Sobald diese Umweltvertäglichkeitsvorstudie endgültig fertig sei, werde man mit der Stadt (Herrn OB Bachofer) und den Neckarwerken sprechen, mit dem Ziel, gemeinsam beim Regierungspräsidium vorstellig zu werden. Hierbei ist eines ganz klar: Nur die Neckarwerke selbst können einen Antrag auf die Verlegung der Trasse stellen. Dies wurde auch noch einmal in aller Deutlichkeit dargelegt, unter anderem von Herrn Dr. Gekle, NBI. Wenn also die Neckarwerke, wie Herr Speck sagte, auch dafür sind, daß die Leitung endlich aus den Wohngebieten verlegt wird, dann hoffen wir - mit allen Betroffenen, daß man nun endlich handelt und einen entsprechenden Antrag stellt! Obwohl noch viele Teilnehmer gern Fragen an das "Podium" gestellt hätten, wurde die Veranstaltung kurz nach 22.00 Uhr vom Diskussionsleiter für beendet erklärt und geschlossen. Wir werden den weiteren Verlauf der Angelegenheit sorgfältig beobachten und alles tun, daß sich hier endlich etwas bewegt. Und wir werden regelmäßig an dieser Stelle darüber berichten. Dabei werden wir auch aufzeigen, wer unsere Forderung nach der Verlegung unterstützt und wer sich querlegt oder blockiert. Wir werden Roß und Reiter nennen! 22.01.1999 Manfred Richey, OA-Mitglied und Webmaster der NBI |