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Trassenverlegung bleibt das Ziel (Erschienen
in der Nürtinger Zeitung vom 15. Mai 1998)
Jahresversammlung der Nürtinger Bürgerinitiative war gut
besucht
In der gut besuchten Jahresversammlung der Nürtinger Bürgerinitiative gegen Hochspannungsleitungen über Wohngebieten (NBI) konnten sich Mitglieder und Freunde über den Stand des Problems Hochspannungsleitung, die Arbeit des vergangenen Jahres und die künftigen Schritte der NBI informieren. Vertreter des Organisationsausschusses berichteten vor allem über den Stand der Flächennutzungsplanung, die Gespräche mit der Stadtverwaltung und den Gemeinderatsfraktionen sowie die Öffentlichkeitsarbeit.
Der Flächennutzungsplan steht kurz vor der Verabschiedung. Die von der NBI lange angestrebte Trasse für die Verlegung der Leitung in unbewohntes Gebiet ist darin aufgenommen. Zwar ist es noch ein weiter Weg bis zur tatsächlichen Verlegung, eine wichtige verwaltungstechnische Voraussetzung wäre mit der Genehmigung jedoch geschaffen.
"Die Konsequenzen ziehen"
Im vergangenen Jahr führte die NBI zahlreiche Gespräche mit Verantwortlichen
der Stadt und Mitgliedern des Gemeinderats. Unter anderem hatten diese Gespräche
die gemeinsame Erklärung des Gemeinderats vom 8. Juli 1997 zum Ergebnis.
Darin werden die Neckarwerke aufgefordert, "zusammen mit der Stadt Nürtingen
nach einer Lösung zu suchen, die es mittelfristig ermöglicht, die
Trasse zu verlegen". Jetzt sei es Zeit, so einige Teilnehmer, die notwendigen
Konsequenzen aus dieser Erklärung zu ziehen.
Nachdrücklich wurde in diesem Zusammenhang auch die Mitverantwortung der Stadt am Entstehen des Problems angesprochen, denn wohl nirgends im Lande wurde eine Hochspannungsleitung mit einer derart großen Kapazität in unmittelbarer Nachbarschaft zu bestehender Wohnbebauung genehmigt und darüber hinaus auf der gleichen Fläche neue Baugebiete ausgewiesen. Diese Vergangenheit binde die Stadt, bis das Problem gelöst sei.
Übereinstimmung herrschte in der Versammlung, daß in der Öffentlichkeit nur diejenigen Gehör finden, die sich lautstark zu Wort melden. Offensichtlich hätten die Nürtinger dies noch nicht in ausreichendem Maße getan. Es wurde der Wille deutlich, dies künftig zu verstärken.
Auf Frage eines Mitglieds wurde berichtet, daß der Stromverbrauch bei weitem nicht in dem von den Neckarwerken erwarteten und vor dem Petitionsausschuß und dem Verwaltungsgericht behauptetem Maß angestiegen sei. Entrüstung erregte darüber hinaus die Aussage der Neckarwerke bei ihrer Aktionärsversammlung 1997, der Ausbau der Leitung habe vor allem überregionale Bedeutung. Damit sein bewiesen, daß die Drohung, in Nürtingen gingen die Lichter bald aus, nie einen realen Hintergrund hatte und lediglich einschüchtern und die Enteignung von Bewohnern der Liebermannstraße erleichtern sollte, hieß es.
"Unterstützung aus Überzeugung"
Als kenntnisreicher und aufmerksamer Zuhörer betonte der SPD-Kandidat
für den Bundestag, Rainer Arnold, in dieser Situation, in der man über
die Wirkungen einer solchen Leitung noch so wenig sichere Erkenntnisse habe,
könne einzig die Vorsorge das maßgebliche Handlungsprinzip sein.
Daher unterstütze er das Verlangen nach einer Verlegung aus voller Überzeugung.