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Leserbrief vom 3. Februar 1999 von
Reinmar Wipper • Liebermannstr. 1/6 • 72622 Nürtingen
Email: z147gva@z.zgs.de
an die Stuttgarter Zeitung - als Reaktion auf den Artikel vom 29. Januar
1999 - Originaltext:
In der Ausgabe vom 29. Januar 99 der StZ ist die Nürtinger Stromtrasse
erneut zum Thema geworden. Dabei ist Ingenieur Rolf Eitle von den Neckarwerken
zitiert worden - leider mit verfälschenden und auch unwahren Behauptungen.
Als ehemaliger Vorsitzender der Nürtinger Bürgerinitiative (NBI) und als direkter Prozessgegner der NWS in einem jahrelangen Enteignungsverfahren saß ich insgesamt vier Mal den Vertretern der NWS bei Verhandlungen gegenüber. Bei diesen Gesprächen, die allesamt von der NBI herbei geführt worden waren, ist nie etwas anderes versucht worden, als die NWS dazu zu bewegen, einer Verlegung der Trasse aus den Wohngebieten heraus zuzustimmen und vor allem: dies auch durch einen Antrag bei den entsprechenden Instanzen in Stuttgart einzuleiten.
Ohne diesen notwendigen Startschuss der NWS - denn die Trasse ist derzeit dinglich und rechtlich vollständig abgesichert - wäre damals und würde heute nichts in Bewegung kommen. Seinerzeit hieß es noch: Wir, die NWS, zahlen weder einen Pfennig noch rühren wir auch nur einen Finger, um die rechtlichen Fragen zu klären. Schon damals aber hat der Nürtinger OB Bachofer erklärt: die Stadt wird sich ihrer Verpflichtung nicht entziehen, aber alleine würde sie die Kosten nicht tragen können und wollen.
Und erst vorletzte Woche sagte Bachofer erneut: Die Stadt wird ihren Teil dazu beitragen, vorausgesetzt, auch die NWS wollen die Trassenverlegung.
Es ist nicht fair von den Neckarwerken, in der StZ erzählen zu lassen, "klare Signale der Stadt Nürtingen fehlen freilich".
Der Stadt und der NBI vorzuwerfen, sie habe keine Vorgespräche mit Grundstückseignern unter einer Ersatztrasse geführt, ist blanker Hohn.
Und zu beanspruchen, die NWS hätten dieses "Alternativkonzept entwickelt", ist eine Unverschämtheit. Die sogenannte Alternativtrasse ist vom Technischen Dezernat der Stadt Nürtingen skizziert, von den NWS beäugt und schließlich in den Flächennutzungsplan aufgenommen. Dort ruht sie als Vorgabe für ein mögliches Projekt.
Eine konkrete Planung, gar eine parzellengenaue, stellt sie nicht dar. Insofern kann sie auch nicht Grundlage oder Verpflichtung für Vorgesprächen mit privaten Betroffenen sein. Wer hätte denn damit seine Arbeitszeit vergeuden sollen, da doch aus Altbach nichts als ein definitives Nein zu hören war?
Schließlich ist es reichlich unverfroren, der Stadt Nürtingen jetzt ihr eigene Stromversorgung abschwätzen zu wollen, als Gegenleistung für eine Trassenverlegung. Hinter diesen verbalen Kunststückchen und in der neuerdings tatsächlich feststellbaren Verhandlungsbereitschaft der NWS ist die Sorge erkennbar, eines Tages doch weichen zu müssen. Dann nämlich, wenn das Risiko einer Gesundheitsgefährdung wissenschaftlich deutlichere Form als bisher annehmen wird.
Dann aber werden die NWS alleine bezahlen, nicht nur die Verlegung sondern riesige Schadenersatzforderungen wegen fahrlässiger Körperverletzung!
Wie man auf der letzten Podiumsdiskussion in Nürtingen erleben konnte, erstarken die Hinweise auf lebenshindernde Felder niederfrequenter Wechselströme. Bemerkenswert dabei: der anwesende Hausgutachter der NWS, Herr Prof. David aus Witten-Herdecke, sah argumentativ sehr schlecht aus und wußte gelegentlich mit nichts anderem zu kontern als mit physikalisch unhaltbaren Märchen, die anschließend von einem anwesenden Physiker als solche entlarvt worden sind.
Reinmar Wipper
Dieser Leserbrief wurde der NBI freundlicherweise von
Herrn Reinmar Wipper im Originaltext am 3.2.99 zur Verfügung gestellt.